Dusty Kid – Beyond That Hill

Image: 1567779 Paolo Alberto a.k.a. Dusty Kid liebt das Reisen, egal, ob es sich um einen Trip durch die eigenen Sinne handelt (wie bei seinem 2009er Debut-Soloalbum "A Raver's Diary"), oder um ein waschechtes Roadmovie ... "Beyond That Hill" holt die gerade Bassdrum aus dem Club und pflanzt sie am Wegesrand ein. Wie Strommasten rauschen die Beats vorbei, der Wind weht einem nicht nur sprichwörtlich um die Nase, und vor dir liegt vor allem der Horizont, ein flirrender Tanz der Koordinaten.


Die Landschaften, die Dusty Kid dabei durchstreift, sind epischer Natur: so darf es nicht verwundern, wenn manch einer der neuen Tracks die 10-Minuten-Marke durchschlägt. Doch anstrengen muss sich hier niemand, eher gleitet man im Tiefflug über die Sounds hinweg, nah genug, um die Einzelheiten zu bewundern, hoch genug, um den Überblick zu wahren. Dabei wird jedoch nicht nur metaphysisch geblubbert oder gar sinnlos die Effektschleife geritten, um Zeit zu schinden: schon der Opener „Nora Nights“ setzt eine tighte Gangart an, erlaubt sich aber doch den fein austarierten Aufbau von Atmosphäre. Jede Sekunde, jedes Tonpigment zählt hier. Den Grand Canyon besucht Dusty Kid in „Jknoussa“, hier noch als Tourist am Fernrohr mit Münzschlitz verkleidet, doch schon im 14 Minuten langen Floorschmeichler „Argia“ wagt er sich zwischen die zerklüfteten Felsen, klettert am Abgrund entlang, zwischen Himmel und Erde hängend und beides gleichermaßen einsaugend. „Chentu Mizes“ und „Beyond That Hill“ erlauben eine kleine Verschnaufpause mit Rhythmusgitarre am Lagerfeuer, die Ahnen beschwörend im Mondschein, doch das ist nur mentale Vorbereitung: „Polybolo“ ist das Monster, das jeden Bergsteiger vom Hang reißt und wie eine Lawine über den Tanzflur hinwegfegt. Knisterten soeben noch ein paar Flächen freundlich-nostalgisch vor sich hin, während Stimme und Saite sich die Wattebäusche zuwarfen, kommt nun das Survivaltraining zum Zuge, das jeder sich professionell schimpfende Raver in der Acid-Dusche absolviert haben sollte. Stetes Klopfen höhlt den Stein, und eben so wie den Gipfelstürmer die Ehrfurcht vor den tektonischen Urgewalten der Erde ergreift, entblößt „Polybolo“ das rohe Streben, die archaische Kraft der Natur mit allerdings rein synthetischen Mitteln. Alsbald jedoch hat der Reisende seine Gitarre wieder mit "Cheyenne", so versöhnlich wie organisch, doch nicht minder antreibend mittels prägnanter Beinarbeit und exzellent arrangiertem Frequenzspektrum. „That Hug“ schließlich zieht noch einmal alle Register, fasst den Weg, den der Hörer hinter sich gebracht hat, sinnig zusammen. Mit großer Geste und universalem Anspruch endet so eine Reise wie keine zweite, und Dusty Kid erweist sich einmal mehr als Meister des Albumformats. Kaum einer vermag es so wie er, die eigenen Produktionen in eine schlüssige, vor allem jedoch abwechslungsreiche Narration zu überführen. Das perfekte Mixtape für die einen, Kopfkino für die anderen, raus kommt das Gleiche: eine Story zum Tanzen, ein Roadmusical für Abenteuerlustige. Erhältlich ab 04.11.2011

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