The Antlers – Burst Apart

Image: 1583119 Aus Kummer-Pop wird Kammer-Pop: The Antlers trennen sich von ihrem Konzept-Korsett und lassen auf Burst Apart" dennoch nur wenig Luft zum Atmen. Aufopferung. Einsamkeit. Angst. Krebs. Wut. Liebe. Die Themengewalt, die The Antlers vor zwei Jahren mit ihrem phänomenalen Konzeptalbum "Hospice" losließen, muss auch heute noch als harter Tobak deklariert werden. Ohne den großen Mitleidsgesten zu verfallen, schloss sich Peter Silberman, kreativer Kopf der New Yorker, für zwei Jahre in seiner Wohnung ein, um letztlich mit einem riesigen Emotionsgewitter aufzuwarten. Ein Album, das mit seiner dualen Narration mehr einem Film als einer schlichten Klangzusammensetzung glich. The Antlers waren seit jeher die One-Man-Show von Silberman. Auf "Burst Apart" findet dieser melancholische Selbstfindungstrip ein beeindruckendes Ende. Die zehn neuen Songs sind das hörbare Ergebnis einer interagierenden Band. Ein kleines Kollektiv, das in kürzester Zeit seinen Sound gefunden hat, irgendwo zwischen Meditation und Hypnose, zwischen Kammer-Pop und seichtem Electronic-Rock.

Zwar haben sich die drei ihres Konzept-Korsett entledigt, doch gelingt es ihnen mit Nachdruck, ein Gefühl der Atemlosigkeit hervorzurufen. Zunächst lässt die Band aber ordentlich Dampf ab: Schon die Albumeröffnung versucht einen kleinen Bruch mit dem umjubelten Vorgänger. "I Don't Want Love" deutet bereits die distanzierte Haltung an, welche sich beim tänzelnden "French Kiss" fortsetzt: "Everyone I hold / holds me strangled, sweet and smart / I’m not a puppy you take home / don’t bother trying to fix my heart." The Antlers – "Every Night My Teeth Are Falling Out" Offener, vielfältiger und befreiter präsentiert sich das Trio über 41 Minuten, in denen The Antlers vom Kummer-Pop zum Kammer-Pop schweben. Nach dem Motto: Die Depression ist vorüber, die intrinsischen Aufräumarbeiten haben gerade erst begonnen. Dabei legen sie keineswegs ihre melancholische Grundstimmung ab, vielmehr wird die Hoffnungslosigkeit in ein geheimnisvolles Gewand gehüllt. Indes zeigt "Burst Apart" neben entschleunigten und stark sphärischen Partien einige elektronische Andeutungen, denen es gelingt, eine Brücke zwischen Boards of Canada und Radiohead zu schlagen. "Rolled Together" könnte sich mit seinen psychedelischen Schlieren und dem trabenden Tempo wahrlich auf "Amnesiac" einnisten. Auch wenn der Mittelteil des Albums mit "No Widows" und dem instrumentalen Trompetenstück "Tiptoe" zum gedankenfreien Träumen einlädt, stellt der Abschluss mit einem Drei-Song-Konglomerat das Highlight der Platte dar. "Hounds" macht den Anfang und weiß mit seinem stoischen Gleichmut den Hörer abzuholen.

Mit "Corsicana" beweist das Trio anschließend, dass es kein Konzeptalbum benötigt, um eine cineastische Sogkraft zu entfachen. Mit den Zeilen "By the time that we woke up / we couldn’t stop the sparks / we couldn’t see outside / when the curtains fell apart" zieht uns die markante Falsett-Stimme Silbermans in eine elegische Geschichte eines Paares hinein, das von einem ausgebrochenen Feuer geweckt wird. Doch anstatt die Rettung zu besingen, preist das Trio eine Neo-Romantik, die aufwühlt: "We lost our chance to run / now the door's too hot too touch / we should hold our breath with mouths together now." The Antlers – "Corsicana" "Putting The Dog To Sleep" setzt als letzter Song die Vorzüge des neuen Albums gekonnt in Szene: eine beruhigende Melodie trifft auch sphärische Elektro-Flächen, während die Gitarre beinahe sensible Nadelstiche setzt. "Burst Apart" ist beileibe kein fröhliches, dafür jedoch hervorragendes Album. Auch ohne einen offensichtlich roten Faden addieren sich die zehn Songs zu einer faszinierenden Einheit. Sicherlich mag es Bands geben, die variationsbreitere Musik anbieten. Hier liegt die große Kunst aber in der Bescheidenheit.

(motor.de) Erhältlich ab 26.07.2013

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