The Coral – Butterfly House

Image: 1583050 An diesem Werk scheiden sich die Geister: Während es die eine Fraktion in den höchsten Tönen lobt, werfen Kritiker The Coral vor, einzig und allein ihren Vorbildern ein aufgewärmtes Ständchen zu bringen. Schwierig war diese Band schon immer. Zwar hatten The Coral zu Beginn der 2000er das britische Königreich fest im Griff, doch war ihr Auftreten so eigenbrötlerisch, dass sämtliche Marketingmechanismen versagten und der anfängliche Hype schneller verpuffte als er aufkam. Als dann noch die Nachfolgealben zum allerorts gelobten "Magic And Medicine" (2003) ihre Antihaltung musikalisch widerspiegelten und die damals jungen Musiker sperrig wie die eigenen Sixites-Epigonen klangen, war der Ofen komplett aus - The Coral gerieten in Vergessenheit, ohne das sie jemand vermisste.
AdTech Ad

Es grenzt daher an ein Wunder, dass sich nun eine Reihe von Musikredakteuren streitet, ob das neue, sechste Album dieser niemals schlecht aufspielenden Engländer großartig oder einfach nur großer Käse ist: Während der NME in "Butterfly House" eine "fantastic hommage" an den Mersey Beat der Sechziger sieht, rätseln viele deutsche Magazine, ob das gut oder schlecht sei und ob das Gespann um Frontmann James Skelly den wilden Sechzigern wirklich etwas Neues hinzuzufügen hat. In Anbetracht der Tatsache, dass Diskussion dieser Art immer eine Frage des Geschmacks sind, muss den Songs unweigerlich zu Gute gehalten werden, dass wenn sie schon stehlen, den Diebstahl gekonnt investieren.

Als hätten die Beatles der "Rubber Soul"-Phase Spalier gestanden, finden sich die Gitarren im siebten Himmel wieder, klingen leicht, warm und barmherzig, bilden die perfekte Symbiose zu den ausgefeilten Drumparts und sind die sprichwörtliche Antithese zu allem, was derzeit zu "rocken" glaubt: Keine Arctic Monkeys-Exzentrik, kein Franz Ferdinand-Designer-Wave und schon gar keine Bloc Party-Verschrobenheit bilden den musikalischen Duktus, sondern das ewig Gestrige bestimmt James Skellys makelloses Songwriting. Was durchaus kritisierbar ist, denn nicht sofort mag der Knoten platzen, die Feinheit der Songs hervorstechen - mit ein wenig Zeit im Rücken, ist "Butterfly House" jedoch mehr Original als Fälschung. Zu meckern gibt es aber immer etwas und wer dieses Opus Magnum madig machen will, braucht keine zehn Sekunden um Gründe zu finden. Allen anderen darf Recht gegeben werden: "Butterfly House" ist eine Hausnummer für sich, eine ganz große sogar, wenn man will.

(Motor.de) Erhältlich ab 26.07.2013

Getaggt mit: