Thomas Fehlmann – Eye / Tree

Image: 1584500 Mit "Eye / Tree", seinem ersten Release für das Label seit mehr als zwei Jahren, kehrt Kompakt-Mitstreiter Thomas Fehlmann nach faszinierenden Ausflügen in die Kunst und Filmmusik zum Tanzflur zurück. Die neuen Solotracks von The Orbs führendem Tüftler führen das strukturelle Geschick von "Titan One" (Kompakt 224) mit der narrativen Vision von "Gute Luft" (Kompakt 211 / CD 81) zusammen, stellen dabei aber den feinkörnigen Markensound des gebürtigen Schweizers vom Kopf auf die Füße und siedeln ihn so wieder im verschwitzten Biotop der Clubkultur an.

Der neotribalistische Vulkanritt EYE bringt die Dinge mit vielgliedriger Perkussion rasch ins Rollen, wirbelt jedoch die scheinbar lineare Anordnung mit bedrohlich anschwellenden Störflächen ernsthaft durcheinander. Ein wahrhaft schwindelerregendes Hörerlebnis, legt die Flugbahn des Stücks einen erstaunlichen Detailreichtum frei, der die dichte Atmosphäre stimmig stützt, doch nie in den Weg der freigesetzten Schubkraft gerät. Wie ein hitzesuchender Laserstrahl, der die Umgebung nach einem störrischen Flüchtling abtastet, spürt der Track den losen Rhythmus-Fäden nach und stößt sie zurück zur Feuerstelle, um die herum er sich versammelt hat um in fremden Zungen zu reden und den wilden Göttern des Tanzes zu huldigen.

Fehlmann führt seine Exkursionen in Sachen hochauflösender Perkussivgeschwader auch mit TREE fort, einem gleichsam entkoppelten Biest von einem Track, das mit stolpernder Downbeat-Stimmung ans Tageslicht tritt, doch schnell zu einem zündenden Groove findet, der sich mit erschreckender Effizienz durch die 9 Minuten Laufzeit fräst. Bereits ein absoluter Klassiker in allen 569 der Menschheit bekannten Alternativ-Universen, weiß das hier ein oder zwei Dinge darüber, wie man die Hörer in Sicherheit wiegt... nur um sie dann mit der aufreizendsten Hi-Hat diesseits des Glaubwürdigkeits-Grabens über die Synapsen zu hauen. Während sich die Namen beider Tracks auf natürliche Phänomene beziehen, spielt der Produzent eindeutig mit den Realitätsparametern und löst so das klassische Fehlmann-Paradox aus, welches einen immer wieder daran zweifeln läßt, ob man nun einfach nur einem Haufen zirpender Grillen zuhört oder der perfekten Mimikry einer invasiven paranormalen Macht. Erhältlich ab 11.10.2013

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