Rainer Böhm Quartet – Familia

Image: 1587344 Stimmungen einzufangen und Emotionen auszudrücken – das ist der musikalische Kosmos von Rainer Böhm. Mit Familia legt der 36-jährige Pianist ein Album vor, dessen Kompositionen an kleine Songs erinnern – jeder mit einer ganz besonderen Atmosphäre. Angesiedelt zwischen Modern Jazz, Impressionismus und einer Spur Neo-Romantik, sind die Stücke seiner Familie gewidmet. „Ich bin dankbar für die Liebe, den Zusammenhalt und die gegenseitige Unterstützung in meiner Familie. Das möchte ich mit dem Album zum Ausdruck bringen“, erklärt Böhm. Eingespielt wurden die sehr persönlichen Songs in einer hochkarätigen Quartett-Besetzung.

Eine wichtige Rolle nimmt darin der Weilheimer Saxofonist Johannes Enders ein. Ein alter Bekannter, mit dem Böhm eine jahrelange, musikalische Partnerschaft verbindet. Es sind vor allem diese charmant-verträumten, leicht melancholischen Dialoge zwischen Klavier und Saxofon, die Familia einen besonderen Reiz verleihen. So wie in Jo’s Mind – ein Stück, das der Pianist seinem Saxofonisten auf den Leib geschneidert hat. „Schon beim Komponieren konnte ich Johannes vor mir sehen – wie er bestimmte Melodien spielen, bestimmte Passagen interpretieren würde. Und genauso klangen sie nachher auch“.
Ebenfalls zum Quartett gehört der Schlagzeuger Peter Gall, den Böhm während seiner Studienzeit in New York kennen lernte. Gall wiederum machte Böhm auf den Bassisten Phil Donkin aufmerksam, mit dem er bereits gut eingespielt war. Im Stück Unspielbar (Line Over Invitation) kann der Brite seine brillante Technik unter Beweis stellen. „Als ich die Basslinie fertig geschrieben hatte, habe ich sie eigentlich für unspielbar gehalten, aber Phil, den ich bis dahin kaum kannte, konnte ich damit kaum aus der Reserve locken“, schmunzelt Böhm. Und so jagen Donkin, Böhm und Gall in halsbrecherischem Tempo durch die Komposition, die sich harmonisch am Jazz-Standard Invitation von Bronislaw Kaper orientiert.
Rainer Böhm gehört zu der Generation junger Musiker, die die höchst lebendige deutsche Jazz-Szene mit ihrer Kreativität bereichern. In den vergangenen Jahren konnte der gebürtige Ravensburger - der mittlerweile in Köln lebt - zahlreiche nationale und internationale Musik-Preise einheimsen. Im zarten Alter von vier Jahren begann er mit dem Klavierunterricht an der örtlichen Musikschule, lernte aber auch viel von seinem Vater. Böhm Senior konnte Popsongs auf dem Klavier nachspielen, nachdem er sie einige Male im Radio gehört hatte. Eine Fähigkeit, die Böhm Junior faszinierte und animierte, schon sehr früh ebenfalls nach Gehör zu spielen, womit er eine wichtige Grundlage für seinen heutigen musikalischen Zugang legte. „Schon damals fand ich es reizvoller, Stücke zu reharmonisieren oder die Begleitstimme zu verändern, anstatt sie originalgetreu nachzuspielen. Da wurde mir schnell langweilig“ erinnert sich der Pianist.

Am Ende jedoch, stellt Böhm klar, geht es ihm vor allem um den emotionalen Gehalt von Musik. „Andere Leute schreiben, um sich auszudrücken, ich habe meine Kompositionen, in denen ich mich wieder finde.“ Wobei weniger für ihn mehr ist. Den musikalischen Holzhammer, der mit allzu plakativen Motiven in die Gehörgänge drängt, verabscheut er. „Wenn etwas zu offensichtlich daher kommt, berührt es mich nicht. Wesentlich faszinierender finde ich es, wenn es subtiler zugeht und bestimmte Gefühle und Emotionen nur angedeutet werden. Bei mir geht das oft in eine melancholische Richtung, was vermutlich auch meinem Wesen entspricht“, verrät Böhm. Erhältlich ab 07.03.2014
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