Ty Segall – Ty Segall

Image: 1607450 Das Leben in der post-faktischen Welt ist wie bedeutungslose Tintenklecksbilder, voll von widersprüchlichen Aussagen und Bewertungen: Eure Fakten sind total egal. Werft sie weg mit den gestrigen Websites-Infos. Wer am lautesten schreit, der gewinnt. Das Leben liegt jenseits der einfachen Gleichungen von Währung, Grenzlinien und Regierung und Wahrheit ist nur ein Tropfen im Auge des Betrachters. Ty Segall hat schon viele Platten gemacht, die mit diversen Realitäten kämpften, er hat gegen einige hart gekämpft, mächtig gezerrt, um andere ins Leben zu rufen. In letzter Zeit hat er seine Hände hochgeworfen und Clownschuhe angezogen, um in der doppelten Rolle des Unterdrückten/Unterdrückers fröhlich zu tanzen! Seine Hände sind nicht mehr oder minder schmutzig als von jedem anderen - aber unter dem Donner und dem Chaos des andauernden Sturms sucht er nach dem inneren Auge.

Das neue selbstbetitelte Album, das nach Emotional Mugger, Manipulator, Sleeper, Twins, Goodbye Bread, Melted, Lemons, und auch dem ersten selbstbetitelten Album aus dem Jahr 2008 erscheint, hat einen sauberen Flow und Transparenz, die in eine Welt fallen, die ein paar Dinge bis zu ihrem logischen Ende durchschauen muss. Musikalisch trägt das neue Album das Erbgut von derben Sounds von Ty Segalls Band Slaugherhouse (aus dem langen heißen Sommer 2012), aber auch überraschende Ausflüge in akustische Gefilde, weil die neuen Songs von Ty auf der Suche nach Freiheit ohne Exorzismus und Schwarzmalerei auskommen. Alles, was er will ist Wahrheit! Der Aufbau und die Zerstörung seiner gewählten Realitäten war bis jetzt ein Luxus, den Ty mit Recht nur für sich selbst beansprucht hatte, er hat Overdubs und Studio-technische Rafinessen reduziert, um seinen eigenen Sound zu kreieren. Aber für dieses neue Album trat er in ein Studio an, unterstützt von einer kompletten Band - Emmett Kelly, Mikal Cronin, Charles Moothart und Ben Boye – um diese angestrebte Klarheit herauszulesen. Dieser neue Ansatz führt zu einigen neuen Abweichungen im Bandsound, sowie zu den eindringlichsten und emotionalsten Gesangspassagen, die wir bisher von Ty Segall noch nie gehört haben.

Der Song "Freedom/Warm Hands" bringt das "süße" zurück ins Programm, "Orange Color Queen" ist der höchste Moment der Zärtlichkeit, "Talkin'" ist ein in Roots-Sounds-fundierter Angriff auf die Wahrheit, mit "Papers" schaut man hinter die Kulissen von Ty Segalls kreativem Prozess. Und "Break A Guitar" ist eine brutal-lustige Party an der Rückseite des Hauses. Ty Segall läßt seine Hörer gerne raten, er streift ihre Haut mit einer gewissen Strenge und stillt das Bluten mit wuchtigen Gitarren-Brocken und Spritzern, strammen Beats, Wurlitzer Electric Piano in jammenden, lodernden Harmonien und vielen Songs zum Mitsingen. Es steckt kein Konzept dahinter, es geht nur darum am richtigen Ort zu richtiger Zeit zu sein. Ty Segall ist die Summe seiner Songs und es geht um das Erhalten des Freien. Frei zu sein, das ist die einzige Maxime! Erhältlich ab 27.01.2017

Getaggt mit: